Wasserberghaus 25.09 – 26.09.2026
Digital Detox Wanderung
Eine Wanderung, ein Rucksack, acht Frauen und ein Experiment: Was passiert, wenn wir für zwei Tage nicht erreichbar sind?
„Das muss ich kurz googeln.“ Diesen Satz kennen wir alle.
Eine Frage taucht auf. Ein Gedanke. Eine Idee. Etwas, das man gerade unbedingt wissen möchte. Also greift die Hand fast automatisch zum Smartphone. Nur dieses eine Mal. Eine Nachricht ploppt zufällig auf. Dann noch schnell die Mail lesen. Kurz den Wetterbericht checken. Einen Termin eintragen oder ausmachen. Etwas fotografieren. Permanent erreichbar sein. Noch schnell etwas nachschauen. Und ehe man sich versieht, ist man eigentlich überall – nur nicht mehr dort, wo man gerade ist.
Genau das wollten wir für fast zwei Tage anders machen.
Der Moment, in dem die Handys verschwanden
Samstagmorgen, 10 Uhr. Parkplatz am Hexensattel in Deggingen.
Acht Wanderinnen stehen dort bei strahlendem Sonnenschein. Blauer Himmel, keine Wolke. Die Rucksäcke sind gepackt, die Wanderschuhe geschnürt und die Vorfreude groß.
Die ersten Höhenmeter lassen allerdings wenig Zeit für Smalltalk. Es geht ordentlich bergauf. Oben angekommen, holen wir noch einmal ein Handy heraus. Ein Gruppenfoto muss schließlich sein. Dann schauen wir uns an.
„So. Jetzt weg damit.“
Die Smartphones verschwinden in den Rucksäcken. Kein Flugmodus. Kein „Ich schaue nur kurz“. Kein „Ich muss noch schnell …“. Das ist der offizielle Start unserer Digital Detox Wanderung.
Digital Detox – also eine bewusste Pause von der ständigen digitalen Erreichbarkeit. Nicht, weil Smartphones schlecht wären. Sondern weil wir herausfinden wollten, wie sich unser Alltag anfühlt, wenn das kleine Gerät, das sonst so selbstverständlich überall dabei ist, plötzlich keine Rolle mehr spielt.
Und dann gehen wir los.

Plötzlich wird der Wald größer
Vielleicht kennt ihr dieses Gefühl: Man läuft eine Strecke, die eigentlich wunderschön ist – und trotzdem bekommt man kaum mit, was links und rechts passiert. Diesmal ist das anders.
Wir wandern durch Kiefern- und Buchenwälder, über Wacholderheiden und sonnige Grasflächen. Mal führt der Weg durch dichten Wald, mal öffnet sich die Landschaft und gibt den Blick über die Alb frei. Wir haben Zeit, hinzusehen. Und irgendwann merkt man: Man muss gar nichts sonst tun.
Kein Foto. Keine Nachricht. Keine Information, die man noch schnell abspeichern muss.
Nur gehen.
Eine alte Eiche und ein Picknick, das nach Urlaub schmeckt
Unterwegs entdecken wir eine alte Eiche mit einem Picknicktisch davor. Schatten. Ein schöner Platz. Genau richtig für eine Pause.
Jede hat eine Kleinigkeit für das gemeinsame Picknick dabei. Was zunächst nach vielen kleinen Portionen im Rucksack aussieht, wird unter der Eiche zu einem richtigen Buffet.

Wir essen, erzählen, lachen. Und niemand muss danach wieder aufspringen, weil „man eigentlich noch schnell …“. Wir bleiben einfach sitzen.
Bis irgendwann der nächste Programmpunkt beginnt: Waldbaden.

Für einen Moment wird es ganz still
Zuerst klopfen wir uns den Alltag aus dem Körper. Dann atmen wir tief durch. Legen uns auf den Waldboden und schauen nach oben. Durch die Blätter sieht man den Himmel. Das Licht bewegt sich zwischen den Ästen. Eine Entspannungsreise führt uns noch ein Stück weiter weg von allem, was sonst im Kopf herumkreist. Danach suchen wir uns jede einen Baum. Wir fühlen seine Rinde. Die Unebenheiten. Die Wärme. Die Kälte. Später wechseln wir die Bäume untereinander und stellen fest: Kein Baum fühlt sich gleich an.
Jede sucht sich noch eine geheime Waldfrucht aus. Alles wandert mit geschlossenen Augen von Hand zu Hand. Wir können nicht sehen, was wir bekommen. Wir müssen fühlen. Am Ende sind es Steine, Äste und Blätter oder Moos.
Und plötzlich ist da wieder etwas, das im Alltag viel zu selten vorkommt:
Nichts muss schneller gehen.

„Das muss ich googeln!“
Am Nachmittag erreichen wir das Wasserberghaus. Zimmer beziehen, kurz frisch machen, etwas trinken, zusammensitzen.
Und dann fällt er zum ersten Mal: „Das muss ich googeln.“
Kurze Pause. Ach ja. Geht ja gar nicht. Und das bleibt nicht der einzige Moment.
Ein Termin, der normalerweise sofort ins Handy eingetragen würde, bleibt erst einmal im Kopf. Eine interessante Information, die man sonst schnell abspeichern würde, ist plötzlich weg. Eine App, die jemand empfehlen möchte, kann nicht notiert werden. Und natürlich fehlt auch etwas ganz anderes:
die Kamera.
Wir können keine Aussicht fotografieren. Kein schönes Licht durch die Bäume. Kein Bild vom Waldbaden. Kein spontanes Foto zwischendurch.
Das ist tatsächlich ungewohnt. Und ein bisschen schade. Aber vielleicht passiert genau dadurch etwas Interessantes:
Wir müssen uns die Bilder merken.

Statt Google: Wir reden.
Und wir reden viel. Über Dinge, für die im Alltag oft keine Zeit ist. Aus einem Gespräch wird das nächste. Aus einer Frage entsteht eine Geschichte. Menschen, die sich vorher vielleicht nur vom Wandern kannten, erzählen plötzlich ganz andere Dinge voneinander. Keiner schaut zwischendurch auf einen kleinen Bildschirm. Keiner sagt: „Warte kurz.“
Und irgendwann merkt man:
Das Handy hat uns nicht nur Informationen weggenommen. Es hat uns gleichzeitig eine Menge Ablenkung erspart.
Nach dem Abendessen wird es noch einmal gemütlich. Wir ziehen jeder eine Pausekarte und lesen, was eine Pause sein könnte. Kurz nur, aber im Alltag. Bewusst für mich. Wir lesen aus „Toni die Schildkröte“ von Tarik Yilmaz. Eine Geschichte über Glück, Unzufriedenheit und die Panzer, die wir uns manchmal selbst bauen. Dazu gibt es Tee, aber danach wird es auch für uns ruhig. Und irgendwann fallen acht ziemlich müde Wanderinnen glücklich ins Bett.
☀️ Sonntagmorgen: Yoga in Wanderschuhen
Am nächsten Morgen verschlafen sogar ein paar von uns. Das Morgenyoga beginnt deshalb etwas später. Draußen. In der Morgensonne. Mit Wanderschuhen. Teilweise in Jeans. Nicht unbedingt die optimale Yoga-Ausrüstung, aber egal.
Während wir uns auf einer Lichtung vor dem Wasserberghaus bewegen, rauschen die Bäume über uns. Die Sonne wärmt. Und für einen Moment fühlt sich alles erstaunlich leicht an.
Der Abschluss bildet ein Lachyoga. Erst ein bisschen ungewohnt. Dann immer mehr Lachen. Wir machen uns zum Affen. Schließlich lachen tatsächlich alle. So gehen wir anschließend zum Frühstück: wach, glücklich und mit einem ziemlich breiten Grinsen im Gesicht.
Wir verabschiedeten uns vom Wasserberghaus – einem Haus, in dem Gastfreundschaft noch von Herzen kommt. Ein Wirt, der mit Engagement und Herzblut für seine Gäste da ist, uns sogar die Heizung anmachte, als es uns fröstelte. Freundliche Menschen, die uns herzlich bedienten, sich kümmerten und dafür sorgten, dass wir uns rundum wohlfühlten. Und ein Haus, in dem man nach einem langen Wandertag wunderbar zur Ruhe kommt und richtig gut schläft.

Ein Schildkröten-Mandala und zwei Holzlöwen
Also schultern wir wieder unsere Rucksäcke. Auf dem Orchideenpfad machen wir eine bewusste Atemübung. Bei den beiden Holzlöwen halten wir inne, setzen uns und genießen die Aussicht. Unterwegs sammeln wir Blätter und andere Naturmaterialien. Später legen wir daraus gemeinsam eine Schildkröte als Mandala.
Wir sprechen über die Wacholderheide und erfahren in einem kleinen Rollenspiel, warum die Schafe für diese Landschaft so wichtig sind und was passieren würde, wenn sie dort nicht mehr weiden würden. Auch die Frage, woher unsere Lebensmittel eigentlich kommen, bekommt ihren Platz. Alles ohne Präsentation. Ohne PowerPoint. Ohne Bildschirm. Einfach mitten auf dem Weg.
16 Kilometer später
Insgesamt liegen am Ende rund 16 Kilometer hinter uns. Aber eigentlich haben wir an diesem Wochenende viel mehr zurückgelegt. Wir haben den Kopf ein bisschen leiser gemacht. Wir haben uns Zeit genommen. Wir haben miteinander geredet. Wir haben gelacht. Wir haben den Wald nicht nur gesehen, sondern gefühlt. Und ja – wir haben das Handy vermisst:
Für Fotos. Fürs schnelle Nachschauen. Für Termine. Für Informationen.
Aber wir haben auch gemerkt, wie wenig wir es eigentlich brauchen, wenn wir uns bewusst dafür entscheiden, es nicht zu benutzen.

Und was bleibt?
Vielleicht genau das, was wir sonst so oft verlieren:
Zeit.
Zeit, um einen Satz zu Ende zu sprechen.
Zeit, um einem anderen Menschen wirklich zuzuhören.
Zeit, um eine alte Eiche anzuschauen.
Zeit, um den Himmel durch ein Blätterdach zu betrachten.
Zeit, um gemeinsam zu lachen.
Und Zeit, um einfach einmal nichts zu müssen.
Zum Abschluss sitzen wir noch gemeinsam in einer italienischen Pizzeria. Dann verabschieden wir uns. Müde. Glücklich. Und mit ziemlich vielen Erinnerungen im Kopf.
Nur Fotos haben wir keine.
Die Bilder dieses Wochenendes stammen deshalb von unserer Vorwanderung eine Woche davor – denn während der Digital-Detox-Wanderung blieb die Kamera ganz tief unten im Rucksack.
Und vielleicht ist genau das passend. Denn manche Erlebnisse muss man nicht fotografieren.
Man muss sie erleben.

„Machen wir das nächstes Jahr wieder?“
Die Frage kommt natürlich. Die Antwort kommt noch schneller:
Ja.
Also suchen wir einen neuen Termin. Und vielleicht sitzt beim nächsten Mal auch jemand dabei, der gerade denkt:
„Zwei Tage ohne Handy? Das würde ich niemals schaffen.“
Vielleicht ist genau das der Grund, warum du es ausprobieren solltest.
Komm gerne mit.
Ein Schritt. Ein Weg. Ein freier Kopf.

Das Wanderführerinnen-Team:
Sina Singer · Iryna Likhota · Gabi Scheuter
Schwäbischer Albverein · Ortsgruppe Unterensingen
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Wandertraining mit Elke Bühler-Hofmann
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was für eine tolle Idee ! Digital Detox!
Da melde ich mich gleich an für 2027